Wissenschaftliches
•••  Veröffentlichungen von verstorbenen Mitgliedern und Dozenten des Institutes

Die vom Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie e.V. herausgegebenen Almanache enthalten eine Fülle von wissenschaftlichen Arbeiten vieler Dozenten des Institutes, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Der letzte Almanach erschien 1973. Zwei der Almanache sollen exemplarisch erwähnt werden:

Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie e.V. Stuttgart: Almanach 1956. Ernst Klett Verlag, Stuttgart.
Im Geleitwort weist Felix Schottlaender auf Sigmund Freuds 100. Geburtstag hin und schreibt:
„WIR DEUTSCHEN HABEN ANGESICHTS DER BESCHÄMENDEN EREIGNISSE VON 1938 DAS ANDENKEN FREUDS IM BESONDEREN MASSE ZU PFLEGEN. SEIN VORBILD WEIST UNS DEN WEG FÜR UNSERE FORSCHUNG.“
Der Almanach enthält Beiträge vieler damaliger Dozenten u.a. von Tobias Brocher, Vera und Hermann Scheffen, Alice Zimmer und Edeltraud Knehr, der langjährigen Leiterin der Elternschule.

Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie e.V. Stuttgart (1971): Psychotherapie bei Kindern. Ernst Klett Verlag, Stuttgart.
Dieser Band enthält Beiträge u.a. von Wolfgang Loch, Peter Kutter und Günther Bittner. Auf drei – heute noch sehr lesenswerte - Beiträge damaliger Dozenten möchte ich gesondert hinweisen:
Jacques Berna: Das erste Lebensjahr in psychoanalytischer Sicht.
Ruth Cycon: Aus einer Kinderanalyse.
Rosemarie Glantz: Beginn einer Kinderanalyse. Überlegungen zur Technik.
Ruth Cycon hat 1995 die Gesammelten Schriften von Melanie Klein bei Frommann und Holzboog, Stuttgart, herausgegeben.

Im Folgenden sollen einige beispielhafte und richtungsweisende Werke erwähnt werden.

Felix Schottlaender (1946): Die Mutter als Schicksal. Bilder und Erfahrungen aus der Praxis eines Psychotherapeuten. Ernst Klett Verlag, Stuttgart. Neu aufgelegt: Gütersloher Verlagshaus 1988.

Dies ist ein richtungsweisendes Buch von Felix Schottlaender (1892-1958), einem Mitbegründer des Instituts für Psychotherapie und Tiefenpsychologie. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit der frühen Mutter-Kind-Beziehung und deren möglichen pathogenen Wirkungen. Horst Eberhard Richter hat Schottlaenders Gedanken in seinem Buch „Eltern, Kind und Neurose“ aufgegriffen. Aus der Fülle der Veröffentlichungen Schottlaenders seien noch erwähnt „Des Lebens schöne Mitte“ (1953) sowie sein letztes Werk „Das Ich und seine Welt“ (1959) (mit Lene Keppler).

Wilhelm Bitter (1948): Die Angstneurose. Mit zwei Analysen nach Freud und Jung. Neu aufgelegt: Kindler Verlag "Geist und Psyche", 1971
1948, im Jahr der Gründung des damaligen Institutes, veröffentlichte Wilhelm Bitter (1893-1974) sein Buch „Die Angstneurose. Mit zwei Analysen nach Freud und Jung“. Darin versucht er den synoptischen Gedanken zu verdeutlichen, indem er zwei in den jeweiligen Verfahren – gemäß Freud „Fräulein Elisabeth“ und nach Jung „Frau Clarissa“ - durchgeführte Analysen vorstellt. Das Buch wurde mehrfach wiederaufgelegt, zum letzten Mal als Taschenbuch 1971 im Kindler Verlag (Geist und Psyche).
Einen differenzierten Versuch, die Theorien von Freud und Jung nebeneinander darzustellen, hat Rolf Fetscher 1978 mit seinem Buch unternommen: „Grundlinien der Tiefenpsychologie von S. Freud und C. G. Jung in vergleichender Darstellung“.

Wolfgang Loch (1967) (Hrsg.): Die Krankheitslehre der Psychoanalyse. Mit Beiträgen von Wolfgang Loch, Hermann Roskamp, Peter Kutter und Wolfgang Wesiack. Hirzel Verlag, Stuttgart; neu herausgegeben von Helmut Hinz im gleichen Verlag (1999).

Wolfgang Loch (1915 – 1995) war kein Mitglied, jedoch ein sehr einflussreicher Dozent des Institutes. Die "Krankheitslehre" war über viele Jahre das Standardwerk für Ausbildungskandidaten. Namen wie Margret Mahler sowie Winfrid Bion wurden hier zum ersten Mal erwähnt, ehe deren Werke ins Deutsche übersetzt worden waren.

Jutta von Graevenitz (1968) (Hrsg.): Bedeutung und Deutung des Traumes in der Psychotherapie – Wege der Forschung, Band CV, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt.

Jutta von Graevenitz (1900-1987) war Dozentin seit der Gründung des Institutes. Das Buch enthält eine Sammlung von Aufsätzen zum Traum in der Psychoanalyse sowie in der Analytischen Psychologie.

Wilhelm Laiblin (1969) (Hrsg.): Märchenforschung und Tiefenpsychologie. Band CII, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt. Neu aufgelegt bei Primus Verlag.

Wilhelm Laiblin war ebenfalls Dozent der ersten Stunde. Die in diesem Buch gesammelten Beiträge aus dem Bereich tiefenpsychologischer Märchenforschung repräsentieren eine Art Längsschnitt durch die geschichtliche Entwicklung dieses Wissenschaftszweiges, angefangen von Friedrich von der Leyen, über Freud, Karl Abraham, Emma Jung bis hin zu eigenen Arbeiten des Herausgebers.

Jacques Berna (1973): Kinder beim Analytiker. Piper Verlag. Spätere Neuauflage: Fischer Verlag.

Jacques Berna war kein Mitglied, jedoch ebenfalls ein sehr einflussreicher Dozent des Institutes. Er war Anhänger der Schule von Anna Freud. Dieses Buch enthält eine Einführung in die Technik der Kinderanalyse gemäß der ich-psychologischen Theorie mit Arbeit an Übertragungen, der Abwehr und Verbalisierungen, die zum Teil bereits in der PSYCHE veröffentlicht worden waren. Die Falldarstellungen dieses Buches wurden in kasuistischen und technischen Seminaren durchgearbeitet.




Ingeborg Clarus (1980): Du stirbst, damit Du lebst – Die Mythologie der alten Ägypter in tiefenpsychologischer Sicht. Bonz-Verlag, Fellbach.

Ingeborg Clarus (1986): Odysseus und Oidipus. Wege und Umwege der Seele. Bonz-Verlag, Fellbach

Ingeborg Clarus (1991): Keltische Mythen. Der Mensch und seine Anderswelt. Walter Verlag, Olten. 2005 erschienen bei Albatros Verlag, Düsseldorf.

Ingeborg Clarus (1997): Odysseus – Wege und Umwege der Seele. Bonz-Verlag, Leinfelden-Echterdingen. (Dies ist die erweiterte Neuauflage des o.g. Buches)

Ingeborg Clarus (2000): Opfer, Ritus, Wandlung. Patmos Verlag.

Ingeborg Clarus (1917 - 2003) war eine eindeutige Jungianerin mit exorbitanten Symbolkenntnissen. Über sie hat Magdalene Trillhaas geschrieben: „Vor allem aber ist ihre umfassende Kenntnis der mythologischen Welt zu nennen, die in zahlreichen Büchern zur ägyptischen, griechischen und keltischen Mythologie ihren Ausdruck fanden…“

Hans Schmid (1981): Jeden gibt’s nur einmal. Plädoyer für ein neues Menschenbild. Kreuz Verlag, Stuttgart.
Das Buch enthält neun Vorträge, die Hans Schmid im Süddeutschen Rundfunk gehalten hat. In ihnen hat er zu verdeutlichen gesucht, wie die psychischen Erkrankungen des Menschen und die drohenden militärischen und ökologischen Katastrophen miteinander im Zusammenhang stehen.

Hans Schmid (Hrsg.) (1983): Wege zur Identität. Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg. (Mit den Autobiografien von Jutta von Graevenitz und Ursula Laessig sowie Beiträgen vieler Dozenten).

Hans Schmid hat über viele Jahre die Geschicke der Akademie gelenkt und die Neugründung des Institutes im Jahre 1979 initiiert. So wurde es zum direkten Nachfolger des alten 1948 gegründeten Institutes. Zum Schreiben hat er nur wenig Zeit gefunden, zu sehr war er mit der Arbeit für das Institut sowie mit Analysen und Lehre befasst. Er vertrat eine Psychoanalyse, die in die Gesellschaft hineinwirkt und umgekehrt, er schätzte darum Erich Fromm und Igor Caruso. Ebenso wichtig waren für ihn aber auch christliche Werte, sowie die Verbindung von Astrologie und Psychoanalyse, wie von Fritz Riemann vertreten.

 


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